Seit der Veröffentlichung des letzten Sachstandsberichts durch den Weltklimarat (IPCC) 2007 hat sich die Debatte um mögliche Sicherheitsrisiken als Folge des Klimawandels verstärkt. Die Forschung dazu hat neue Erkenntnisse gebracht, bleibt aber kontrovers bei der Frage, ob ein globaler Temperaturanstieg nachweislich zu mehr gewaltsamen Konflikten führt. Obwohl historische Langzeitstudien einen Zusammenhang zwischen Klimawandel und bewaffneten Auseinandersetzungen belegen, gibt es für die Neuzeit dazu widersprüchliche Ergebnisse.
Das Autorenteam um Prof. Jürgen Scheffran, Leiter der Forschungsgruppe "Klimawandel und Sicherheit", und Prof. Michael Brzoska vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik zeigt in dem Schwerpunktheft zum Thema "Konflikte", dass das Klimasystem auf komplexe Weise mit gesellschaftlicher Stabilität und Konflikten verbunden ist. In den ärmsten Regionen der Erde verstärken Klimaänderungen humanitäre Krisen und schaffen damit den Nährboden für Gewalt. Maßgeblich ist, wie Menschen auf gefährliche Lebenssituationen durch Wasserknappheit, Hungersnöte und Wetterextreme reagieren: Auch wenn in einigen Fällen gewaltsame Konflikte die Folge sind, gibt es doch auch Beispiele, in denen Menschen solche Situationen kooperativ bewältigen.
Werden jedoch die Grenzen der Anpassungssfähigkeit durch das Ausmaß des Klimawandels überschritten, steigt die Gefahr, dass es zu so genannten "Kipppunkten" in der gesellschaftlichen Stabilität kommt. Politische Maßnahmen könnten dazu beitragen, Sicherheitsrisiken zu vermeiden, ohne die Konfliktlage selbst durch massive Eingriffe zu verschärfen, wie etwa durch den Einsatz von Bioenergie, Kernkraft, Geo-Engineering oder militärische Intervention.
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